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schnuffelrudel

AnjaIsReading

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Kirschroter Sommer - Carina Bartsch Vollständige Rezension hier: Carina Bartsch – Kirschroter Sommer | AnjaIsReading

2.5 totoros

Entgegen meiner Erwartungen hätte das echt ein tolles Buch werden können. Die ersten Zeilen haben mir richtig gut gefallen, der erste Auftritt der Hauptprotagonistin war witzig, es gab kein irre langes Vorgeplänkel, keine ewigen Erläuterungen, man war gleich mitten im Geschehen. So habe ich mich positiv überrascht auf die nächsten Seiten gestürzt.

Leider hat mein Hochgefühl nicht lange angedauert, denn dieser (erfreulicherweise) fehlende Info-Dump am Anfang hat nicht lange auf sich warten lassen. In endlosen Beschreibungen wurde selbst der unwichtigste Charakter samt Optik und halbem Lebenslauf (okay, das mag übertrieben sein, aber so kam es mir vor) haarklein beschrieben. Nicht nur einmal habe ich mich gefragt, wozu ich das alles wissen muss.

Manchmal frage ich mich, wie ich das Buch habe lesen können, ohne etwas kaputt zu machen. Obwohl die Story selbst weitestgehend okay war, kann ich das nicht von den Charakteren behaupten. Besonders Emely hat immer wieder extreme Aggressionen in mir wach gerufen.

Ich habe selten eine Hauptperson gesehen, die mir so unsympathisch war. So verbohrt und nervig kann eigentlich gar kein Mensch sein. Sie bezeichnet Elyas als Arschloch? Die Buchbeschreibung stellt ihn als arrogant hin? Da muss wohl etwas falsch gelaufen sein, denn Arschloch und arrogant trifft wohl eher auf Emely selbst zu. Wie sie mit anderen Menschen umspringt, ist wirklich nicht feierlich.
Wo dieser Umgang bei Alex noch funktioniert, da dies offenbar die Dynamik ihrer Freundschaft ausmacht, wirkt er bei anderen, speziell bei Elyas, einfach nur daneben.

Und Elyas, den ich übrigens recht knuffig fand, muss eine tief sitzende masochistische Ader haben. Sie würgt ihn ab, beschimpft ihn, verarscht ihn, benutzt ihn, beleidigt ihn, ist absolut bitchig, und was macht er? Rennt ihr ständig nach wie ein treudoofes Hündchen. Welcher Kerl hat bitte so wenig Selbstrespekt, dass er sich derart selbst erniedrigt?

Im Prinzip kann man verstehen, dass sich die beiden voneinander angezogen fühlen, schließlich verbindet sie eine gemeinsame Vergangenheit, in der sich eine zarte Liebe entwickelt hat.
Man kann auch Emelys Abneigung Elyas gegenüber nachvollziehen, hat er doch etwas in der Vergangenheit getan, das ihr beinahe das Herz aus der Brust gerissen hat.
Allerdings liegen zwischen damals und heute Jahre, und das nicht wenige. Normalerweise entwickeln sich Menschen weiter, verarbeiten, vergessen, sehen Vergangenes mit anderen Augen. Die beiden scheinen aber in ihrer Entwicklung stehen geblieben zu sein.

So ungefähr ab der Hälfte hat mir das Buch besser und teilweise richtig gut gefallen. Man erfährt, was damals zwischen Emely und Elyas vorgefallen ist, und dieser Blick in die Vergangenheit ist schlichtweg toll; rührend, herzerwährmend, herzzerreißend, wunderschön.

Gleichzeitig bringt dieser Rückblick auch die Erkenntnis mit sich, dass Emely noch viel dümmer ist, als eigentlich angenommen. Denn obwohl sie und Elyas sich aussprechen, die damaligen Geschehnisse aufarbeiten, sich annähern, tolle Momente miteinander haben, behandelt sie ihn viel zu oft weiterhin wie Dreck. Und gerade nach einem Zeltausflug, wo man meinen könnte, dass sich alles zum Guten dreht, haut die Frau den Oberklopper schlechthin raus, womit sie wieder alles ruiniert – und das Ende des Buches samt dickem Cliffhanger einläutet.

Es hinterlässt einen faden Beigeschmack, dass nach über 400 Seiten Auf und Ab kein wirklicher Abschluss gefunden werden konnte. Dazu muss ich sagen, dass ich das Buch insgesamt viel zu lang fand, es gab etliche Sachen, die man hätte kürzen oder weglassen können. Dadurch hat sich das Buch mitunter ziemlich gezogen. Das scheint aber ein allgemeines Problem zu sein. Mir sind in letzter Zeit einige Bücher untergekommen, die einfach zu vollgepackt und aufgebauscht waren, sodass interessante Sachen entweder untergegangen oder ganz weggeblieben sind, was sehr frustrierend sein kann.
Mit dem Schreibstil bin ich Anfangs gar nicht zurecht gekommen, aber der hat sich – genau wie die Geschichte – ab ungefähr der Hälfte zum Besseren gedreht. Entweder hatte ich mich zu diesem Zeitpunkt daran gewöhnt, oder die Autorin hatte sich an dieser Stelle frei geschrieben und erst richtig losgelegt.
Das Buchcover finde ich von der Farbgestaltung her toll und den Kirschzweig sowieso. Da ich deutliche Gesichter auf Covern generell nicht mag, erlaube ich mir an dieser Stelle kein weiteres Urteil :)