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schnuffelrudel

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Der Erzdämon - Jane Christo Vollständiger Kommentar hier: http://anjaisreading.com/?p=333

Nach fünf Jahren Abwesenheit kehrt Blanche zurück nach Paris. Wayne, ihr Ziehvater, Freund, Mentor – ein eigentlich unverwüstlicher Profikiller – ist ermordet worden. Und nicht einfach ermordet; in die Luft gesprengt, ausgelöscht. Ein ganzes Hotel samt umliegender Gebäude und Menschen darin wurde dem Erdboden gleich gemacht, im wahrsten Sinne des Wortes.
Die Geschichte setzt kurz nach Waynes Beerdigung ein, bei der es eigentlich nichts zu beerdigen gab. Blanche beschließt, den oder die Mörder ihres Freundes zu finden. Dabei gerät sie zwischen rivalisierende Mafia-Clans und in die Fänge eines Dämons – Beliar, der mal eben in ihrer Küche auftaucht und ihr nicht mehr von der Seite weicht.
Die folgende Hatz durch ein Paris, wie es düsterer kaum dargestellt werden könnte, ist brutal, blutig, voller Leichen und Überraschungen.

Bis hierhin klingt es für mich interessant und nach potenziellem Lesespaß. Das Buch war auch streckenweise durchaus spanned und fesselnd. Diverse Kampfszenen waren sehr gut beschrieben, die Dynamik darin wurde prima eingefangen.

Allerdings bin ich mit Blanche von Anfang an nicht warm geworden. Sie wurde als Kick-Ass Heldin angepriesen, und Himmel, zimperlich war sie wirklich nicht. Doch es hat nicht echt gewirkt, zu aufgesetzt. Genau wie ihre Sprache. Sie greift gern mal auf “Gossensprache” zurück, was mich nicht stört. Hier klang es eher nach trotzigem Teenager denn nach knallharter Frau. Und ihre “nicht fühlen” Attitüde war nach einiger Zeit einfach nur noch nervig.
Generell bleiben die Charaktere in dem Buch blass und flach. Positiv herausgestochen sind eine Nebenprotagonistin (Nella) und Zoey, der Bösewicht.

Dann die Namen – Saetan? Beliar? Miceal? Warum? Warumwarumwarum? Mein Hirn schaltet auf Satan, Belial und Michael. Die Namen kamen so oft auf, dass mir die Augen vom ständigen Rollen wehgetan haben.

Eine Geschichte ist Geschmackssacke, ganz klar. Ich fand trotzdem merkwürdig, dass so viel geredet wurde. Drei Sätze Geplänkel und – voila – plaudern die Charaktere mal eben aus dem Nähkästchen irgendwelche großen Mysterien aus. Das berifft sowohl Menschen als auch Engel und Dämonen.
Desweiteren wurde mehrmals in fast dem gleichen Wortlaut von Blanches Vergangenheit erzählt, was einfach nur unnütz war und mich gelangweilt hat. Überhaupt waren da zu viele Dinge, die zu oft wiederholt wurden. Widersprüchliche Aussagen haben mich auch geärgert, zum Beispiel bezeichnet Blanche einen Nebencharakter (Leo) als verräterischen Drecksack, obwohl sie vorher schon festgestellt hat, dass sie an seiner Stelle ebenso gehandelt hätte. Da kommt diese harsche Bezeichnung unpassend, was aber meinen Eindruck von ihr (trotziger Teenager) nur bestärkt.
Durch teils zu langatmige Ausführung und Gedankengänge zieht sich da Buch in die Länge, ein paar Kürzungen hätten sicherlich nicht geschadet. Dazu gehören für mich auch ganz eindeutig die Waffenbeschreibungen (interessiert das wirklich jemanden) und die stadtplanartige Darstellung von Paris. Für jemanden, der diese Stadt gut kennt, mag vielleicht interessant sein, welche Straßen Blanche entlang stiefelt oder wo sie abbiegt. Ein Paris-Kenner sieht dann vor sich, was die Autorin versäumt zu schreiben.
Was die “Love Story” angeht (dass es eine gibt und wer mit wem, überrascht sicherlich niemanden), muss ich sagen, dass diese nicht störend war, aber nicht hätte sein müssen. Vor allem ging es zu schnell, zu früh, zu glatt. Es durchbricht und zerstört den harten, düsteren Grundton der Geschichte. Harte, schnelle, ähm, Poppereien und langsamere emotionale Annäherung wären glaubwürdiger gewesen.
Auch die Entwicklungen, die die Charakter durchlaufen, sind zu schnell. Von welcher Zeitspanne reden wir hier? Drei Tage? Vier? Viel mehr war das nicht. Weltverändernde Erkenntnisse in solch kurzer Zeit?
Ein wenig störend fand ich, dass die Geschichte aus mehreren Perspektiven erzählt wurde. Beliar zu lesen, war nett, hat aber für mein Empfinden zu viel vorweg genommen. Die Nella Parts waren ziemlich überflüssig, die haben imo nicht wirklich etwas zur Story beigetragen.
Zum Glück ist das Buch zum Ende hin besser geworden, sodass sich das Durchbeißen doch irgendwie gelohnt hat.

Der Schreibstil hat mir einige Magenkrämpfe verursacht. Es gibt einfach zu wenig Variationen. Die meisten Sätze sind nach dem gleichen Muster gestrickt. Das mag als Stilmittel okay sein, meinen Geschmack trifft das nicht.
Viel schlimmer allerdings ist für mich, dass unglaublich, wirklich unglaublich unglaublich unglaublich viele Sätze ein “als” beinhalten. “Als dies geschah, tat ich das.” “Als das Telefon klingelte, hob er ab.” “Er stellte die Tasse ab, als es an der Tür klopfte.” “Er nahm die Tasche in die Hand, als seine Frau eintraf.” “Sie blickte hinaus, als wollte sie was sehen.” (Die Sätze gibt es in dem Buch nicht, sollten nur verdeutlichen, was ich meine ^^) Und das geht in einer Tour so weiter. Als als als als als als als als als – furchtbar.
Das Gleiche mit “wie”. Ich mag vergleichende Sätze, damit kann man wunderbar spielen. Aber doch nicht ununterbrochen. Es zeugt nicht gerade von Kreativität, wenn man immer auf die gleichen Wortbausteine zurückgreifen muss. “Als” und “wie” sind ganz eindeutig die Lieblingsworte der Autorin ;)
Was mir etwas gefehlt hat, war das “show, don’t tell” Prinzip, das mich in die Story saugt und mir dieses Mittendrin-Gefühl vermittelt. Manchmal habe ich mich beim Lesen an einen Tatsachenbericht erinnert gefühlt.

Es gibt auch Positives zu berichten:

Nella – ein Lichtblick unter den Charakteren. Anfangs hatte ich meine Probleme mit ihr, das hat sich aber schnell gelegt.

Beliars Aussehen – endlich mal ein “Held”, der nicht wunderschön und perfekt ist. Das kommt nicht sonderlich oft vor und ist eine wirklich erfrischende Abwechslung.

Das Ende – ohne fiesen Cliffhanger. Es gab mal eine Zeit, in der jedes Buch unglaublich böse enden musste. Entweder hat sich das inzwischen gebessert oder ich erwische einfach nur Bücher, deren Autoren nicht auf diesen Cliffhanger-Zug aufspringen. Jedenfalls freue ich mich jedes Mal, wenn es ein halbwegs normales Buchende gibt. Und das hier war wirklich toll. Es stimmt versöhnlich, wie auch der Showdown.

Der Bösewicht – war schon ein Klopper. Soziopath, Psychopath – ich kann mich nicht entscheiden. Die beste Figur im Buch.

Alles in Allem kann ich sagen, dass mich “Der Erzdämon” zwar nicht vom Hocker gerissen hat, ich das Buch aber auch nicht als Zeitverschwendung ansehe. Es war okay. Mir hat allerdings das gewisse Etwas gefehlt.