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schnuffelrudel

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Dackelblick - Frauke Scheunemann Vollständige Rezi hier: AnjaIsReading | Frauke Scheunemann – Dackelblick.

Als ich vor einigen Monaten mit meiner liebsten Tina an unserer Kurzgeschichte “Die Bratwurst-Verschwörung” geschrieben habe, haben wir uns beinahe selbst für bekloppt erklärt. Eine Geschichte mit extrem vermenschlichten Hunden und die dann auch noch aus Hundesicht geschrieben? Wie man an den Reaktionen gesehen hat, kann man das ganz eindeutig. Und wie das Buch Dackelblick beweist, kann man damit sogar Eindruck bei Verlagen schinden und veröffentlicht werden.

Die erste Hälfte des Buches ist teilweise zum Brüllen komisch. Herkules lernt den dicken Kater Herr Beck kennen, der ihm erst gar nicht wohlgesonnen ist, aber ein urkomischer Vorfall sorgt dafür, dass aus Feinden dicke Kumpels werden. Beck ist ein älteres Modell, das die Welt und die Menschen zu verstehen weiß und dieses Wissen an den kleinen Halbdackel weitervermittelt. Das führt mitunter zu herrlich schrägen Situationen, vor allem, wenn die beiden sich verbünden, um erst Carolins Lebensgefährten loszuwerden und ihr dann einen Freund zu verschaffen.
Die Gedankengänge von Hund und Katze wissen immer wieder zu begeistern und sorgen nahezu konstant für ein Grinsen im Gesicht. Wie sollten sie es auch nicht, wenn Herkules erkennt, das “schwul” kein Synonym für “schüchtern” ist, dass “einen Kater haben” nicht unbedingt was mit Herrn Beck zu tun hat, er innerlich den Tierarzt verflucht oder verzweifelt zum Dackelgott betet.

In der Geschichte stecken schlichtweg unglaublich viele gute Ideen. Obwohl die Tiere eindeutig die Hauptrolle einnehmen sollten, wird das Buch dennoch von menschlichen Charakteren dominiert. Diese sind allsamt ziemlich sympathisch, wenn man von Carolins aktuellem Freund absieht. Der ist wirklich ein Arsch und es wirkt fast unwahrscheinlich, dass eine Frau wie sie mit so einem Kerl zusammen ist. Das soll aber kein Grund zur Beanstandung sein, denn wo die Liebe hinfällt, lässt sich schwer beeinflussen. Außerdem ist der Kerl ja ziemlich schnell weg und der richtige Spaß kann beginnen.

Leider hat mir das Buch so in etwa ab der Hälfte überhaupt nicht mehr gefallen. Die Hund/Katze-Parts bleiben zwar weiterhin urkomisch und putzig, der Menschenplot allerdings fängt schnell an zu nerven. Er zieht sich unnötig in die Länge, ist ziemlich platt und die anfangs sympathischen Charaktere sind auf einmal alles andere als das. Aus Carolin wird eine schwach wirkende Frau, die mit sich selbst nicht klarkommt. Ihre beste Freundin Nina, zuerst umwerfend, lieb und hilfsbereit, mutiert zur Oberzicke. Daniel, der beste Freund, vom netten Kerl zum Waschlappen. Der einzige Protagonist, der mir durchweg gefallen hat, war Penner Willi, und der hat leider nur eine kleine Nebenrolle. Wenn man die Tiere ausblendet, bleibt nicht viel mehr als das, was man auf RomanceTV als ~Film serviert bekommt – nur eben in Buchform und mit weniger Schmalz.
Aber zum Glück sind da ja Hund und Katze, die das Buch unglaublich aufpeppen.

Der Schreibstil war okay, einige Wortwiederholungen hätte nicht sein müssen und wenn ich einmal mehr “respektive” gelesen hätte, hätte ich das Buch in die Ecke gefeuert. Im Großen und Ganzen aber gut zu lesen.

Insgesamt war Dackelblick ein nettes Lesevergnügen für zwischen durch, auch für Nicht-Dackel-Fans :)