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Millionär - Tommy Jaud Rezi auch hier: [Rezension] Tommy Jaud – Millionär | AnjaIsReading

four Totoros

Seit er seinen Job als T-Punkt Mitarbeiter verloren hat, hat Simon Peters nichts mehr – kein Job, kein Geld, keine Perspektive. Er lebt mittlerweile in einer kleinen Wohnung in Köln Sülz, die – genau wie sein Lebensunterhalt – staatlich finanziert wird. Anders ausgedrückt: Er wurde vom T-Punkt Möchtegern-Krösus zum Hartz IV Empfänger.

Obwohl arbeitslos, ist Simon nicht ohne Arbeit. Er geht täglich in sein Büro – wie er es nennt, normale Leute würden es wohl als Stammplatz in einem Internet-Café bezeichnen – und erledigt haufenweise Korrespondenz. Oder anders ausgedrückt: Er schreibt eine Beschwerde-Email nach der anderen an diverse Unternehmen… selbst wenn es nicht wirklich etwas gibt, worüber man sich beschweren müsste.
Aber man kann sich ja auch darüber auslassen, das Halsbonbons nach Klostein schmecken oder Fleisch nach überfahrener Straßenkatze (oder so ähnlich, hab den genauen Wortlaut gerade nicht zur Hand). Warum sich nicht darüber auslassen, dass die Handy-Worterkennung diverse (Schimpf)Wörter nicht parat hat? Warum nicht einer Süßwarenfirma erklären, dass der aktuelle Werbespot scheiße ist? Der Liste seiner Beschwerdefantasy sind keine Grenzen gesetzt.
Und da er nicht den ganzen Tag im “Büro” sitzen kann, nimmt er sich “Arbeit” mit nach Hause, wo er mangels Internet von Email auf Telefon umsteigt und Procter&Gamble die Hölle heiß macht.
So vebessert Simon die Welt – meint er jedenfalls – und bekommt obendrein immer wieder Pakete als Entschädigung für seine, ähm, Umstände zugeschickt.

Dass dies nicht alles sein kann, dass sein Leben nicht so toll ist, wie er sich vielleicht weismacht, merkt er aber immer wieder. Vor allem dann, wenn er mit seinen Freunden zusammen ist, mit ihnen ausgeht und dabei ständig rechnen muss oder von ihnen eingeladen wird.
Und er merkt es an der neuen, reichen Yuppie-Nachbarin, die in die tolle Luxus-Wohnung über ihn einzieht, alle mit “ist ja Welt” und/oder einem “hihihi” kommentiert. Die Nachbarin, die ihm mit ihrem Schuhgeklacker auf den Wecker geht, für die Männer nur etwas taugen, wenn sie erfolgreich sind und Kohle haben.

Genau die Nachbarin bringt ihn dazu, seinen Arsch hochzukriegen und etwas zu unternehmen. Nicht, weil er die Frau beeindrucken oder für sich gewinnen will. Nein. Er will sie wieder loswerden. Und am besten geht das natürlich, wenn man das Mietshaus kauft und der “hihihi”-Frau kündigt. Blöd nur, dass man dafür eine Million Euro braucht, und das innerhalb sehr kurzer Zeit, was mit Hartz IV nicht ganz so einfach zu bewerkstelligen ist.
Doch Simon wäre nicht Simon, wenn er es nicht wenigstens versuchen würde, und so schmiedet er mit Shahin, dem Betreiber des Internet-Café irre und abstruse Geschäftsideen, um sein Ziel zu erreichen…

Millionär ist ein wirklich tolles Buch. Herrlich bekloppt, witzig und voller schräger Ideen. Man darf natürlich keine große Literatur erwarten. Wie von Tommy Jad gewohnt, bekommt man Spaß und Lacher, einfach eine Geschichte zum Hirn abschalten und freuen.
Simon Peters ist mir in diesem Buch gleich um ein Vielfaches sympathischer geworden. Ein Vollpfosten ist er zwar immer noch, aber mittlerweile einer, den man mögen kann.

Das Buch ist toll geschrieben, da habe ich nichts auszusetzen. Mir war zu keiner Sekunde langweilig, auch wenn es ab und an eine Länge zu überwinden galt. Was mich gestört hat, war mal wieder das Ende, oder mehr die Seiten kurz vor dem Ende. Da wurde mal wieder etwas dick aufgetragen. Ein weiterer Störfaktor war der anscheinend für Jaud typische Quotenossi. Zum 840238. Mal zu lesen, wie sich über Dialekt & Co. lustig gemacht wird, ist schlichtweg langweilig und nervt nur noch.

Daher vier von fünf Totoros, die allerdings wohlverdient.

Freue mich schon darauf “Überman” zu lesen, das dritte Simon Peters Buch.