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Die Wand - Marlen Haushofer 2 Totoros

Rezension auch hier ==> Marlen Haushofer – Die Wand | AnjaIsReading

Als ich das erste Mal von diesem Buch gehört habe, hatte es schon fast 50 Jahre auf dem Buckel. Vermutlich durch die Verfilmung mit Martina Gedeck in der Hauptrolle (die ich übrigens nicht gesehen habe) wieder ins Gedächtnis der Leserschaft gebracht, wurde es im Radio als Lesetipp vorgestellt und ist sofort auf meiner Wunschliste gelandet. Die Geschichte klang einfach zu gut: Wie die Buchbeschreibung schon verrät, macht eine Frau, deren Name zu keinem Zeitpunkt genannt wird, einen Ausflug in die Berge. Ihre Begleiter brechen Abends noch einmal ins Tal auf und kehren nicht mehr zurück. Am nächsten Morgen ist die Frau immer noch allein, nur der Hund ihrer Begleiter ist bei ihr, in der Berghütte und stellt fest, dass sie von einer unsichtbaren Wand eingeschlossen wurde. Und auf der anderen Seite der Wand scheint es kein Leben mehr zu geben. Somit beginnt der harte Kampf ums Überleben.

Das sind Geschichten, wie ich sie mag. Sie bieten unglaubliche Möglichkeiten, gewaltige Herausforderungen für die Protagonisten, Platz für ein breites Spektrum an Emotionen, Spannung und Atmosphäre.

Und ja, Die Wand wusste von Anfang an zu überzeugen. Die Autorin hat es geschafft, eine wirklich packende Grundstimmung zu erzeugen. Extrem intensiv, erschreckend und atmosphärisch dicht wie die Geschichte war, konnte ich mich kaum von dem Buch losreißen. Leider hat sich auf den tollen Anfang recht schnell Ernüchterung breit gemacht. Spannung? Fehlanzeige. Emotionen? Keine Vorhanden. Das Potenzial der Story? Verpufft ungenutzt. Einzig die Atmosphäre wusste durchweg zu packen, was mir aber nicht reicht, um ein Buch gut zu finden.

Der Punkt ist, ich habe mich furchtbar gelangweilt und fand das Buch alles in allem richtig schlecht. Das hatte mehrere Gründe.

a) Die Erzählweise: Die Protagonistin ihre Geschichte nicht kontinuierlich in aktuellen Geschehnissen, sondern als eine Art Rückblick. Dabei springt sie wild zwischen den Zeitsträngen hin und her und spoilert sich dabei ständig selbst. Es ist einfach schrecklich, dass dem Storyverlauf immer wieder vorgegriffen wird und man dadurch schon viel zu früh weiß, was zwischendrin und am Ende geschieht. Vor allem, wenn man die gleichen Ereignisse mehrfach erzählt bekommt. Da bleibt kein Platz für Überraschungen und für Spannung gleich gar nicht.
b) Storyverlauf: Öhm, ja, da verläuft ja nicht wirklich was. Nach den interessanten ersten Seiten passiert nicht mehr sonderlich viel und das was passiert, passiert furchtbar langsam. Statt immer wieder etwas neues einzubringen (Stichwort: verschenktes Potenzial), bekommt man sich ständig wiederholende Handlungen zu lesen, die auch noch jedes Mal minutiös beschrieben werden. Es nicht nicht sonderlich erhebend, gefühlte 4820348029348023948 Mal zu lesen, dass die Akteurin ihre Kuh melken geht, Beeren sammelt, Holz hackt etc. Normalerweise stört es mich nicht, wenn sich eine Geschichte langsam entwickelt. Aber wenig bzw. gar nichts passiert, läuft etwas falsch. So hat bleibt einem nichts weiter, als den vor sich hin plätschernden Storyverlauf zu ertragen und auf die wenigen Höhepunkte zu warten, die man ja dank der missglückten Erzählweise schon kennt.
c) Überlebenskampf: Den hat es tatsächlich in begrenztem Ausmaß gegeben, erwartet hatte ich aber mehr. Immerhin wurde die Protagonistin nicht in einer gut ausgestatteten modernen Großstadt eingeschlossen, sondern in den Bergen, wo sie in der Jagdhütte ihrer Begleiter residiert. Welch ein Zufall, dass der Besitzer ein extrem vorsorglicher (oder paranoider) Mensch war und für haufenweise Vorräte gesorgt hat. Ein weiterer schöner Zufall ist, dass die Protagonistin gelernt hat, mit einer Waffe umzugehen. Und eine Kuh melken kann sie zufällig auch. Natürlich weiß sie auch ganz zufällig, wie man am besten Kartoffeln anbaut. Außerdem ist nicht gerade von Nachteil, dass das von der Wand eingeschlossene Gebiet ganz schön groß ist. Im Grunde gönne ich ihr ja die ganzen hilfreichen Zufälle, im Sinne der Story ist das für mein Empfinden nicht (Stichwort: Langeweile).
d) Die Protagonistin: Ich konnte keinen Zugang zu ihr finden und bin nicht mit ihr warm geworden. Ihre kalte, emotionslose Art war so gar nicht mein Fall. Ihre Reaktion oder eher Nichtreaktion auf das, was geschehen ist, kann ich nicht nachvollziehen. Ich habe keine Verzweiflung verspürt, keine Trauer (immerhin hat sie ihre Begleiter und auch ihre Familie verloren), kein gar nichts. Es gibt keine Gedanken an die Vergangenheit, keine Hoffnung auf eine Zukunft, keine Selbstreflexion. Die namenlose Frau ist ein großer Haufen Desinteresse. Wie kann man über Jahre eingesperrt leben, ohne auch nur ansatzweise nach einer Lösung oder einem Ausweg zu suchen? Sie versucht ja nicht mal herauszufinden, ob sie wirklich allein ist. Das regt mich echt auf -.-
e) Das Ende: Okay, dadurch, dass das Buch sich ständig selbst spoilert, weiß man natürlich, was am Ende passiert und nicht passiert. Dennoch habe ich auf irgendeinen Knaller zum Abschluss gehofft. Auflösungen. Erklärungen. Irgendetwas. Aber nichts. Gar nichts. Gegen ein offenes Ende ist generell nichts auszusetzen. Nur ist das hier für mich keins. Das ist überhaupt kein Ende. Der Protagonistin ist das Papier ausgegangen und fertig. Logo…

Ein weiterer Minuspunkt ist die Aufmachung des Buches. Durch fehlende Kapitel ist das Lesen unglaublich anstrengend. Diese fortlaufenden Textblöcke haben mich regelrecht erdrückt, passende Stellen für Lesepausen zu finden hat sich als schwierig gestaltet.

Mir hat sich bis zum Ende nicht erschlossen, was die Autorin mit ihrem Buch aussagen wollte. Sollte es ein einfacher Roman sein? Eine Art Gesellschaftskritik? (Die Vermutung liegt nahe, da öfter mal über die Schlechtigkeit der Menschen sinniert wird.) Ist die Wand nur eine Metapher für Gefühlskälte die Mauern, die die Menschen zwischen sich errichten? (Dafür spräche die Emotionslosigkeit der Frau und ihr Desinteresse an der Welt außerhalb der Wand.) Ich weiß es nicht und werde es wohl auch nie erfahren, man könnte durchaus weiter darüber nachdenken. Aber dazu hab ich keine Lust ^^

Was sonst noch? Der Schreibstil war ganz in Ordnung. Die Szenerie war gut beschrieben, ich konnte mir alles sehr gut bildlich vorstellen. Damit hätten ich auch die positiven Punkte des Buches abgehakt – der eindrucksvolle Anfang, die durchweg dichte Atmosphäre, der detailreiche Schreibstil und die zum Nachdenken anregende Bedeutung des Werkes.

Das reicht mir aber nicht, um Die Wand als gutes Buch zu bezeichnen und weiterempfehlen zu können.
Ob ich den Film ansehen werde, weiß ich noch nicht. Vielleicht ist das ja einer der wenigen Fälle, in denen der Film tatsächlich besser als das Buch ist…