11 Follower
10 Ich folge
schnuffelrudel

AnjaIsReading

Ich lese gerade

Geektastic: Stories from the Nerd Herd
Holly Black, Cecil Castellucci, Barry Lyga, Tracy Lynn
Tigers and Devils
Sean Kennedy
Bereits gelesen: 24 %
The Raven Boys
Maggie Stiefvater
Bereits gelesen: 34 %
Dark Canopy - Jennifer Benkau Vollständige Rezension hier: Jennifer Benkau – Dark Canopy | AnjaIsReading

description

Laut meiner Statistik hat es sieben Monate gedauert, bis ich das Buch durch hatte. Natürlich habe ich jetzt nicht wirklich so lange gebraucht, denn nachdem ich die ersten 75 Seiten gelesen hatte, kam das Buch in die Warteschleife. Eine Leserunde hat es davor bewahrt, auf Ewig ungelesen dahinzugammeln, und mich das Projekt Dark Canopy endlich erneut in Angriff nehmen zu lassen.

Nach den ersten Seiten des erneuten Leseversuchs war mir direkt wieder klar, warum ich das Buch damals pausiert hatte. Zum einen fiel es mir sehr schwer, mich in die Geschichte einzufinden und mit den Charakteren warm zu werden, zum anderen muss ich ehrlich sagen, dass mir der Schreibstil teilweise gehörig auf den Sack ging.
Ständig “dass” und “zu” und “als” und Relativsätze. Die Verwendung von “was” statt “das” an etlichen Stellen hat mich ebenso genervt wie die Kommasetzung (zu viele unnötige, Lesefluss wird dadurch dauernd unterbrochen, dafür fehlen sie an anderer Stelle, nicht jeder “Infinitiv mit zu” ist ein “erweiterter Infinitiv mit zu”, wobei bei letzterem in vielen Fällen das Komma obligatorisch ist) und der falsche Einsatz von “scheinbar”. Oft tauchen unnötig verschachtelte Sätze auf und bei etlichen Formulierungen haben sich mir schlichtweg die Fußnägel aufgerollt.

Und was sollten die Kapitel aus Matthials Sicht bringen? Die waren für meine Begriffe überflüssig, da sie nichts zum Storyverlauf beigetragen haben.
Erschwerend hinzu kommt, dass die ersten zwei Drittel teilweise sehr anstrengend waren und sich elend gezogen haben; zwar nicht durchgängig, aber da waren viele Stellen, an denen ich das Buch gern wieder auf pausiert gesetzt hätte.

Aber ich konnte nicht. Trotz aller Dinge, die mich gestört haben, war da etwas, das mich immer wieder zum Weiterlesen angetrieben hat. Diese von der Autorin geschaffene postapokalyptische Welt, die so mittelalterlich daher kommt und dystopische Grundzüge mit sich bringt, war einfach zu faszinierend. Ganz besonders das Konzept der Percents hat mich nicht mehr losgelassen. Diese künstlich erschaffenen Wesen, die in meiner Vorstellung immer irgendwie wie Voldemort aus den Harry Potter Verfilmungen aussahen (und ich hoffe, die sehen nicht wirklich so aus, weil… ewww); die kein Sonnenlicht vertragen und deswegen den Himmel verdunkeln; die die Menschheit versklavt haben und sie unterdrücken; über die man anfangs nur die furchtbarsten Dinge zu lesen bekommt; die den Gerüchten über sie alle Ehre machen… oder auch nicht; an denen es eine Menge zu entdecken gibt; die mich aus verschiedenen Gründen sowohl an die Borg aus Star Trek als auch an die Zylonen aus Battlestar Galactica erinnern (beides sehr interessante Geschöpfe). Wie sollte ich mich all dem entziehen können? Gar nicht.

Die Percents hatten mich im Griff und haben mich nicht mehr losgelassen. Allen voran Neél, ein junger Percent, ein Varlet. Ich habe nie wirklich rausgefunden, was Varlet bedeutet, aber es muss wohl irgendwas zwischen Schütze Arsch und Gefreiter sein (wenn man das mal in bundesheerisch ausdrücken will). Er ist kein mysteriöser Charakter, viel erfährt man aber erst einmal nicht über ihn. Er wirkt verschlossen und kalt und dennoch hat er etwas an sich, das eine gewisse Vielschichtigkeit vermuten lässt.
Das Chivvy steht an, eine Menschenjagd, bei der Varlets ihre “Soldaten” ins Rennen schicken und deren Ausgang darüber entscheidet, in welchen Rang die dann ehemaligen Varlets aufsteigen.
Neél bekommt Joy, eine gefangen genommene Rebellin, als Soldaten zugeteilt und setzt alles daran, das Chivvy mit ihr zu gewinnen.

Joy ist die Hauptprotagnonistin, aus ihrer Sicht wird die Geschichte erzählt. Mit ihr hatte ich extreme Probleme, konnte mich absolut nicht mit ihr anfreunden. Von Anfang an war sie mir unsympathisch. Sie ist spröde und egoistisch, verbohrt und kalt. Sie benutzt Sex, um Menschen zu manipulieren. Aber sie ist auch stark und unbeugsam, lernwillig und tief in ihr drin hat sie wirklich Herz, auch wenn sie es selten zeigt. Das macht sie trotz aller Antipathie zu einer grandiosen Buchheldin. Sie ist so untypisch; kein Teenager, keine Schönheit, keine Mary Sue. Sie hat Fehler und macht Fehler, aber keine saudämlichen, wie es andere Heroinen gern tun. Anfangs wirkt sie recht eindimensional, ist aber alles andere als das. Sie entwickelt sich, zeigt neue Facetten, verliert aber nie ihren starken Willen, verliert nie sich selbst. Joys Wandlung hat mir so gut gefallen, dass ich sie am Ende sogar fast gern hatte.

Joy und Neél also. Es ist sicherlich keine Überraschung, vor allen wenn man die Inhaltsangabe des Buches gelesen hat, dass hier von beiden Seiten Hass und Abneigung ausgehen, es aber nicht dabei bleibt. Dass es zu Annäherungen kommt, dass sich eine Romanze entwickelt. Mir jedenfalls war das sofort klar und ich habe mich gefragt, wie die Autorin das verkaufen will. Immerhin ist der Kerl ein Percent (Lord Voldemort, hallo).
Aber, wow, es hat seine Vorteile, eine Geschichte zu erzählen, die sich über einen längeren Zeitraum erstreckt. Das schrittweise aufeinander Zugehen von Neél und Joy hat mir wirklich gefallen. Da war nichts Überstürztes oder Gehetztes. Hatte auch befürchtet, es mit einer Art Stockholm-Syndrom zu tun zu bekommen, zum Glück war das nicht der Fall. Und wie wunderbar kitschfrei die beiden waren. Und was für irre tolle Gespräche sie geführt haben. Wie amüsant sie sein konnten, wie erfrischend. Wie herzzerreißend.

Wie sich das alles auf das Chivvy und den restlichen Verlauf der Geschichte auswirkt und wie das alles endet, werde ich natürlich nicht verraten. Aber eines ist sicher, das Buch endet mit einem der allerallerallerallerallerallerallerschlimmsten Cliffhanger aller Zeiten.

Dark Canopy ist ein Buch, bei dem ich lange Zeit dachte, es würde auf meiner Mittelmaß-Liste landen. Aber besonders mit dem rasanten und irre guten letzten Drittel hat es sich seine vier Sterne/Totoros redlich verdient.